Datenschutz – Wie öffentlich bin ich privat im Netz? (8)

Das Thema Datenschutz ist derzeit (wieder) in aller Munde. NSA, Datenklau, Vorratsdatenspeicherung, Facebook – hitzig wird über den Schutz der eigenen Persönlichkeit diskutiert. Man fühlt sich potenziell ausspioniert, gefühlt irgendwie betrogen. Parallel zu dieser Diskussion veröffentlichen Jung und Alt fleißig private Bilder, Filme, Orte und weitere persönliche Informationen über die Sozialen Medien.

Für das Vergnügen der Selbstdarstellung im Mitmach-Web scheint es kaum Grenzen zu geben. Man braucht sich nichts vorzumachen – permanent werden Daten über uns gesammelt. Wir hinterlassen täglich ungewollt Datenspuren, die über Videokameras, Ausweise, Kreditkarte, Kundenkarte, Telefonverbindungen und Internetprotokolle über uns gesammelt werden – vom Staat, über Firmen bis hin zur Smartphone-App. Dies geschieht nicht immer freiwillig und oft ist es uns nicht einmal bewusst.

Die Digitale Gesellschaft

Mit der Ausbreitung des Internets und dem Wechsel in eine Digitale Gesellschaft ist es immer einfacher geworden Daten über uns zu sammeln. Jede Bewegung im Internet hinterlässt Spuren und die hinterlassenen Daten werden (bestenfalls anonymisiert) auf Vorrat gespeichert, um irgendwann „was auch immer“ analysieren zu können (Data Mining).

Ein kurioses Beispiel: Der österreichische Student Max Schrems wollte nach 5 Jahren Facebook-Nutzung wissen „Was wisst ihr über mich?“ und forderte alle Informationen an, die Facebook über ihn gesammelt hatte. Nach mehreren Wochen und weiteren 21 Mails lenkte Facebook ein und schickte ihm 1222 eng bedruckte PDF-Seiten. Hierin fand er u.a. vieles was er bereits vor Monaten gelöscht hatte.

Am 29.05.2014 war Max Schrems in der ZDF-Sendung von Markus Lanz zu Gast und hat über seine Erfahrungen berichtet (YouTube-Video).

Selbstverständlich gibt es jede Menge nationale und internationale Gesetze und Richtlinien, die den Datenschutz regeln und unsere Privatsphäre schützen sollen, aber dies ist als Privatperson kaum zu durchschauen, geschweige denn zu überprüfen.

„Wurden Sie heute schon gescort?“

Ihre Kommunikation im Internet, speziell in den Sozialen Medien wie Facebook, Twitter & Co.,  ist für Unternehmen und Marken, aber auch für Kreditinstitute und Personaler höchst  interessant. Die Kommunikation in den Netzwerken findet weitestgehend öffentlich statt und  die gewonnenen Informationen, können anschließend über sogenannte Scoring- oder  Selektionsmodelle analysiert und ausgewertet werden.

So kann die Analyse und Verknüpfung der Daten zum Beispiel Aufschluss darüber geben, wie  intensiv und zu welchen Zeiten Sie im Internet unterwegs sind. Werden Sie weiterempfohlen?  Welchen Themengruppen sind Sie nah? Sind die Freunde Ihrer Freunde seriös? Sind Sie potenziell kreditwürdig? Sind Sie der Richtige für den ausgeschriebenen Job?

Dies birgt natürlich die Gefahr, dass Ihr guter Ruf darunter leiden könnte, falls Sie möglichweise mit den falschen Personen im Internet verknüpft sind. Ihre Aktivitäten, die Gesamtheit Ihrer Kontakte und wiederum deren Aktivitäten ergeben einen Score und dieser steht für Ihre persönliche Reputation im weltweiten Netz. Über diesen oft ungeahnten Umweg könnte es z.B. sein, dass Sie ganz schuldlos mit zwielichtigen Geschäften, illegalen Süchten oder ausufernden Partys in Verbindung gebracht werden. Ihre Reputation leidet und Sie bekommen es nicht einmal mit.

Eigenverantwortlichkeit

Was wir tun können, ist unser Tun und Handeln im Internet stets durchaus kritisch zu hinterfragen und Informationen zur eigenen Person nur ganz bewusst und ausgewählt preiszugeben. Dabei gilt es natürlich auch die vielfältigen Vorteile und Errungenschaften des Internets zu nutzen, zu kommunizieren, sich zu informieren, kaufen, spielen, … – aber bitte immer mit einer gewissen Eigenverantwortlichkeit und einem offenen Blick für Konsequenzen. Dies gilt übrigens für Jung und Alt. Auch wenn es noch immer einige Unbelehrbare gibt, die das Internet für eine Modeerscheinung halten – fest steht: „Das geht nicht mehr weg!“. Wir werden lernen müssen mit dem Internet zu leben. Die neuen Generationen (Digital Natives) wachsen mittlerweile „ganz natürlich“ damit auf. Somit macht es Sinn sich darauf einzulassen, es für seine eigenen Zwecke zu nutzen und so viel wie eben möglich darüber zu wissen. Die Auseinandersetzung mit diesem Medium ist auch die Grundlage für einen möglichst weitreichenden Selbstschutz im Netz.

Hier einige Beispiele:

  • Die Sozialen Netzwerke bieten in der Regel Software-Einstellmöglichkeiten an, um die Privatsphäre weitestgehend zu schützen. Informieren Sie sich im Vorfeld in relevanten Blogs und Foren über empfohlene Einstellungen.
  • Seien Sie skeptisch wenn die neu installierte Smartphone-App gern Zugriff auf Ihr komplettes Telefonbuch einfordert.
  • Überlegen Sie sorgsam ob Ihre Facebook-Freunde im realen Leben auch tatsächlich „Freunde“ sind und ob Sie diesen Ihre privaten Bilder der letzten Geburtstagsparty zur Verfügung stellen wollen.
  • Hinterfragen Sie bestimmte Einstellungen bei der Nutzung von Online-Diensten und melden Sie mögliche Verstöße, die Sie für rechtswidrig halten.

Bleiben Sie achtsam  – seien Sie informiert. Viel Spaß im Internet!


Foto © taramara78 – fotolia.com

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